Urban Hiking Wien 1501: Zu den Anfängen der NATURFREUNDE

Auf einen Blick

  • Start: NATURFREUNDE Internationale
  • Ziel: U-Bahn-Station Schottenring
  • leicht
  • 6,89 km
  • 2 Std.
  • 11 m
  • 212 m
  • 163 m
  • 40 / 100
  • 10 / 100

Eine Tour von der NATURFREUNDE-Zentrale zu historischen Orten der NATURFREUNDE in Wien: dem Wohnhaus von Rohrauer und Renner sowie dem ersten Treffpunkt der Vereinsgründer.

Von der Zentrale der NATURFREUNDE geht es entlang des Neubaugürtels aufs Altlerchenfeld, Ende des 19. Jahrhunderts eines der am dichtesten verbauten Gebiete Wiens. Hier lebt der aus dem Pyhrngebiet stammende Metallarbeiter Alois Rohrauer, der seine karge Freizeit gerne in den Bergen verbringt. Gemeinsam mit dem in seinem Wohnhaus lebenden jungen Juristen Karl Renner, dem er ein väterlicher Freund ist, wird er einer der Gründer der NATURFREUNDE, denen er 25 Jahre auch vorsteht. Vom Altlerchenfeld führt der Weg ins "Parlamentsviertel" am Ring. Hier wirkte Karl Renner. Als erster Staatskanzler der Republik Österreich steht er politisch an der Spitze bei der Gründung des jungen Staats. Auch nach dem 2. Weltkrieg führt er als Staatskanzler die demokratische Republik in die Freiheit. Vorbei am Rathaus geht es in die Berggasse, wo sich jenes Gasthaus befand, in dem sich die "touristische Gruppe" der Sozialdemokratie erstmals trifft und die Gründung der NATURFREUNDE beschließt.

Allgemeine Informationen

Wegbeschreibung

NATURFREUNDE Internationale Viktoriagasse | Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus | Westbahnhof | Hesser-Denkmal | Emil-Maurer-Park Neubaugürtel | Hauptbücherei Wien | Neustiftgasse | Kaierstraße | Josef-Strauß-Park | Stolzenthalergasse (ONr. 14: Wohnhaus von Alois Rohrauer und Karl Renner) | Pfeilgasse (Freie Schule Kinderfreunde Albertgasse) | Tigerpark | Wohnhausanlage Pfeilgasse 10-12 | Pfeilheim für Studierende | Fritz-Lang-Gedenktafel Zeltgasse | Maria-Franc-Hof | Hugo-Bettauer-Platz | Vienna English Theater | "2er-Linie" | Palais Auersperg | Justizpalast | "Denkmal der Republik" | Dr.-Karl-Renner-Ring | Parlament | Karl-Renner-Büste | Rathaus und Rathauspark | Reichsratsstraße | Universität Wien | Universitätsstraße | Rooseveltplatz | Votivpark | Berggasse (ONr. 5: Gründung der NATURFREUNDE im März 1895) | Sigmund-Freud-Museum | Schlickgasse | Erwin-Ringel-Park | Rossauer Kaserne | Deutschmeisterplatz | Franz-Josefs-Kai | Ringturm | U-Bahn-Station Schottenring

Ausrüstung

Urban Hiking Wien bietet viele Vorteile: So finden sich auf den Routen zahlreiche Möglichkeiten der Einkehr oder des Einkaufs. So kann die erforderliche Ausrüstung auf das Notwendigste beschränkt bleiben: Du musst nur mitnehmen, was du wirklich brauchst. Wirst du müde oder überfällt dich plötzlich der Hunger, bietet sich ein jederzeit ein kurzer Zwischenstopp in einem der regionalen Lokale oder Einkaufsläden der Stadt an.

Tipp des Autors

Wer es gemütlich mag, kehrt unterwegs in einer der zahlreichen Kaffeehäuser, Gaststätten und Beisln von Wien ein. Gelegenheit gibt es an jeder Ecke.

Anfahrt

Wien ist mit öffentlichem Verkehr toll versorgt, kein Punkt in der Stadt, der nicht fußläufig mit öffentlichem Verkehr erreichbar ist. Daher kann jede Tour auch vorzeitig ab- oder unterbrochen werden. NATURFREUNDE reisen mit dem öffentlichen Verkehr an! Plane deine Fahrt mit ÖBB Scotty.

Parken

NATURFREUNDE reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln an!

Öffentliche Verkehrsmittel

Straßenbahn Linien 60, 52 | U-Bahn-Station Westbahnhof (U3, U6)

Weitere Informationen

Auf einer Wanderung durch den Wienerwald kommt dem sozialdemokratischen Pädagogen Georg Schmiedl die Idee zur Gründung einer "touristischen Gruppe für Arbeiterinnen und Arbeiter". Ende März 1895 gibt er daher gemeinsam mit seinem Freund, dem Kaufmann Simon Katz, ein Inserat in der Wiener "Arbeiter-Zeitung" auf, um Naturfreunde einzuladen, eine solche Gruppe zu gründen. Unter den rund 30 Antwortschreiben ist auch eines am 23.3. von drei Wohnungsnachbarn am Altlerchenfeld abgeschicktes: den Brüdern Josef und Alois Rohrauer und dem Jus-Studenten Karl Renner.

Der Metallarbeiter Alois Rohrauer und seine Frau verlöstigen zu dieser Zeit den jungen Renner, der gerade an seiner Doktorarbeit schreibt, und dessen Ehefrau. Der aus der oberösterreichischen Gemeinde Spital am Pyhrn stammende Sensenschmied Rohrauer ist - wie viele andere Arbeiter auch - nach Wien gekommen, weil er sich hier bessere Arbeitsbedingungen erhofft hat. Er arbeitet in einer Zahnradfabrik und verbringt seine spärliche Freizeit in den Wiener Hausbergen. Er ist ein begeisterter Wanderer und Alpinist und hält seinem jungen Schützling immer wieder Vorträge darüber, wie sehr auch die Touristik für den Klassenkampf nützlich sei. Denn: "[...] sie allein schütze den Arbeiter vor physischen Verkommen, sie allein vermöge ihn dem Fluche des Alkoholismus zu entreißen, sie allein brächte ihn zurück zur Natur, lehre ihn die Natur wissenschaftlich zu betrachten, entziehe ihn so verdummenden Einflüssen des Aberglaubens."

Schon am 28.3.1895 findet im Extrazimmer des Gasthauses "Zum silbernen Brunnen" in der Alservorstadt (Berggasse 5) eine erste Besprechung statt, an der etwa 40 Interessenten teilnehmen. Da der Initiator Schmiedl selbst nicht allzu sehr in Erscheinung treten möchte, weil er um seine berufliche Existenz fürchtet, werden drei andere Sozialdemokraten in den Gründungsausschuss gewählt: Alois Rohrauer, Leopold Happisch und Anton Kreutzer. Der angehende Jurist Karl Renner entwirft die Statuten der "touristischen Gruppe" und das Emblem des neuen Vereins: er kombiniert den Handschlag mit drei Alpenrosen und zeichnet den ersten Entwurf selbst. Der Handschlag steht für die Solidarität, die die Arbeiterbewegung auszeichnet und auch beim Wandern Geltung hat. Ein Wahlspruch ist ebenfalls schnell gefunden: "Hand in Hand durch Berg und Land". Diese drückt den politischen Anspruch der Naturfreundinnen und Naturfreunde auf Freizeit und Erholung aus, zu einer Zeit, in der die Mehrzahl der Arbeiterinnen und Arbeiter an sechs Tagen der Woche täglich mehr als zehn Stunden arbeiten müssen, in der es keinen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub gibt und in der die Besitzrechte jegliche Nutzung der Wälder und Berge für Erholung ausschließen. So können vorerst nur WAnderungen in der näheren Umgebung von Wien unternommen werden.

Die Gründung der NATURFREUNDE ist innerhalb der Sozialdemokratie nicht unumstritten. Es gibt Vorbehalte, dass die Beschäftigung mit solchen "Hobbies" vom politischen Kampf ablenke. Die sozialdemokratische Partei rekrutiert sich hauptsächlich aus der Elite der Arbeiterschaft, den Facharbeitern und Gesellen, ebenso der touristische Verein, denn andere Proletarier können sich nicht einmal den Gedanken an Freizeit leisten. Doch Karl Renner setzt sich mit seiner Überzeugung durch, "dass die Arbeiterklasse, wenn sie die Welt erobern wolle, sich auf allen Gebieten menschlicher Kultur zugleich betätigen müsse, dass wir nicht nur touristische, sondern auch Kunstvereinigungen, wissenschaftliche Einrichtungen und so weiter schaffen müssten. Diese Vereinigungen hätten übrigens auch ihren großen agitatorischen Wert [...]"

Gemäß dieser Auffassung des genossenschaftlichen Sozialismus, dass der politische Kampf nur dann gewonnen werden kann, wenn alle Lebensbereiche in diesen mit eingeschlossen werden, steht Karl Renner nicht nur an der Wiege der NATURFREUNDE sondern auch der Konsumbewegung, der Arbeiterbank und anderer Genossenschaften. Es ist Renners tiefste Überzeugung, dass nur durch die selbstorganisierte Gemeinschaft von Menschen, nur durch Selbstdemokratisierung jene Veränderungen geschaffen werden können, die den Sozialismus entstehen und lebendig werden lassen können. In seinem Aufsatz "Der Arbeiter als Naturfreund und Tourist" schreibt Renner: "Kein Flecken Erde gehört uns. Das Haus, in dem wir wohnen, die Werkstatt, in der wir fronen, gehören anderen. Die Fluren, durch die wir wandern, eigen nicht uns; der Baum, unter dem wir rasten, die Höhle, in die wir vor den Unwetter flüchten, der Wald, der mit harzigem Duft unsere Lungen stärkt, alles betrachtet uns als fremd. Wir sind Fremdlinge auf dieser Erde, wir haben keinen Teil an ihr! [... Aber] wir sind ihre getreuesten Kinder. Ihr besitzt sie, wir aber bebauen sie. Ihr beherrscht sie, wir aber erneuern und verschönern sie. Ihr teilt und zerstückelt sie [...]. Wir aber, die Arbeiter der Hand und des Geistes, verbinden sie mit Straßen und Bahnen, mit Schiffslinien und Telegrafen [...]. Wir neiden euch nicht euren Reichtum. Wenn wir am Gipfel des Berges stehen, über uns das unendliche Blau, um uns reine, freie, neidlose Höhenluft, unter uns der wogende Wald, den ihr nicht bepflanzt, die wallende Flur, die ihr nicht besät, die steinerne Stadt, die ihr nicht gebaut, dann lachen wir über diejenigen, die diese Welt in Streifen teilen und sich um diese Flecken beneiden, hassen und anfeinden."

In ihrem (politischen) Bemühen um den Menschen in seinen touristischen Bedürfnissen sind die NATURFREUNDE eine sozialdemokratische Avantgarde. Sie haben für zahlreiche spätere Organisationen körperlicher und geistiger Kultur Pionierarbeit geleistet, dass die österreichische Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung in ihren Zielen universal ist.

Die Berggasse hinunter zur U-Bahn-Station am Donaukanal erlaubt der Weg auch noch mit Sigmund Freud und Erwin Ringel zwei psychoanalytische Blicke auf die österreichische Seele zu werfen.

Wegbelag

  • Straße (32%)
  • Schotter (2%)
  • Unbekannt (49%)
  • Asphalt (17%)

Wetter

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